Winzer-Interview mit Markus Molitor

Interview mit Markus Molitor

Markus Molitor

,,Markus Molitor – der Außerirdische.‘‘ (Weinwisser)

Markus Molitor übernahm 1984 im Alter von 20 Jahren das väterliche Weingut mit einem klaren Ziel:
In der Tradition von acht Generationen sollen unter dem Namen "Markus Molitor" Mosel-Rieslinge entstehen, wie sie die Region vor 100 Jahren zu Weltruhm führten – lagentypisch, unverwechselbar
und extrem lagerfähig. Nachdem ihn die Schweizer Fachzeitschrift Weinwisser schon im Oktober 2010, als ,,Außerirdischen‘‘ betitelte, wurde im April 2013, die Sensation dann perfekt, denn Amerikas „Weinpapst“ Robert Parker bewertete einen Wein von Markus Molitors mit der höchst-möglichen Wertung von 100 Punkten. Mit dieser Bewertung wurde Markus Molitor als dritter deutscher Winzer
in die Riege der weltweiten 100-Punkte-Winzer aufgenommen. Markus Molitor ist von diesem
Ergebnis überwältigt: „Das ist eine große Anerkennung und Ehre für unser Weingut und unsere
tägliche Arbeit in Weinberg und Keller. Wir freuen uns sehr.“

Wie wichtig sind Ihnen internationale Bewertungen und wie wirken sich diese auf Ihre Arbeit als Winzer aus?

MM: Eine große internationale Auszeichnung ist für jeden Winzer eine besondere Anerkennung für
die tägliche Arbeit in Weinberg und Keller. Solche Bewertungen motivieren uns Winzer, weiterhin
jede noch so große Anstrengung auf uns zu nehmen, um die optimale Weinqualität zu erzielen.
Dabei gilt es immer wieder neu, sich geduldig und aufmerksam auf die Natur einzulassen und mit ihr zusammenzuarbeiten, um bestmögliches Lesegut zu ernten. Wir freuen uns natürlich nicht nur sehr
über die großartigen 100 Punkte, sondern vielmehr über die durchweg sehr positiven Bewertungen
für alle Weine unseres Weinguts – allein vom Jahrgang 2011 wurden 46 von 53 Weinen mit mehr
als 90 Punkten ausgezeichnet.

Über welche Eigenschaften muss Ihrer Meinung nach ein Wein verfügen, um mit 100 Punkten bewertet zu werden?

MM: Laut Parker besitzt unsere 2011 Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese*** „Reinheit, Leichtigkeit und Lebendigkeit“, die „schier unglaublich“ sind. Meines Erachtens nach sollte der Wein „typisch“ sein – typisch für das Anbaugebiet und die Weinbergslage, typisch für den Jahrgang, typisch für die Qualitätsstufe und typisch für den Winzer, denn nur dann stellt er etwas wirklich Einzigartiges dar.


Sie waren lange so etwas wie ein Geheimtipp an der Mosel, bis es dann plötzlich ganz steil bergauf ging. Aber Sie lieben ja bekanntlich steile Lagen. Einzellagen, unterschiedliche Rebsorten, zahlreiche Weinvariationen und Mikroklimata, die von Jahr zu Jahr variieren – verliert man da nicht schnell den Überblick?

MM: Jede Lage, sogar jede Weinbergsparzelle hat einen ganz eigenen Charakter – vergleichen Sie es mit Familienmitgliedern: auch in der Familie haben alle viele Gemeinsamkeiten und doch ist jeder auf seine Weise ganz individuell, und somit einzigartig und unvergesslich!


Weinanbau

Was sind die wichtigsten Prinzipien Ihrer Arbeit als Winzer?

MM: Meine Arbeit als Winzer ist absolut kein Hexenwerk, sondern traditionelles Handwerk.
Ziel war es von Beginn an, jede Lage und jeden Jahrgang geschmacklich zum Ausdruck zu
bringen und klassische Moselweine zu erzeugen, die sich durch Natürlichkeit, Lagencharakteristik, Komplexität und langes Lagerpotential auszeichnen. Daher wird kompromisslose Handarbeit in Weinberg und Keller groß geschrieben: bei der Ernte beispielsweise werden alle Reifestufen sorgfältig selektioniert, teilweise werden sogar Einzelbeeren im Weingut noch einmal ausgelesen. Im Keller kommen keinerlei Reinzuchthefen, Schönungsmittel oder Enzyme zum Einsatz – die Spontanvergärung und ein langes Feinhefelager tragen erheblich dazu bei, dass die Weine Schmelz und Fülle erhalten und der Lagencharakter authentisch zum Ausdruck kommt.

Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf Ihre Arbeit? Und was erwarten Sie, wie sich dieser Wandel zukünftig auf den Weinbau auswirken wird?

MM: Der Klimawandel hat erheblichen Einfluss auf die Arbeit aller landwirtschaftlichen Betriebe. Meiner Meinung nach werden wir es mit immer extremeren Wetterphänomenen zu tun bekommen: extremer Hagel, extreme Trocken- oder Nassperioden, extreme Unwetter. Und doch bleibt im Grunde genommen alles beim Alten: Jahr für Jahr, bzw. Tag für Tag müssen wir uns aufs Neue individuell und optimal auf die von der Natur gegebenen Situationen einstellen und mit der Natur zusammenarbeiten, um das bestmögliche Traubenmaterial zu erhalten.


Weinkeller

Was glauben Sie, erwartet die Weinbauregion Mosel und die Weine der Region in der Zukunft, insbesondere auch international?

MM: Die Weinbauregion Mosel sowie die Weine unseres Anbaugebiets erfreuen sich national
und international bereits großer Anerkennung – unsere Weinkulturlandschaft hat eine über 2000jährige Tradition und ist durch hunderte von Millionenjahren gewachsenes Schieferterroir geprägt. Inzwischen werden die Weine von dieser einzigartigen Bodenbeschaffenheit auch von
den nicht klassischen Moselweinimportländern geschätzt. Wir verspüren dies deutlich aufgrund
der steigenden Nachfrage in den Beneluxländern und der Schweiz, insbesondere aber in den skandinavischen Ländern, allen voran Norwegen.
Aber auch die Bewegung in den asiatischen Märkten ist merklich spürbar. National messen wir in der gutsituierten Gastronomie einen Trend zu klassischen Rieslingen, vorrangig gereifter trockener und feinherber Qualitäten als harmonische Speisebegleiter.
Selbstverständlich bringen internationale Auszeichnungen und Wettbewerbe zusätzliche Impulse – ich freue mich, und bin sehr stolz darauf, mit den hervorragenden Bewertungen von Herrn Parker für die Weine unseres Weingutes einen Teil zur internationalen Aufmerksamkeit für die Region Mosel und natürlich auch den gesamtdeutschen Weinbau beitragen zu können.

Bitte geben Sie uns Ihre Einschätzung zum Weinjahr 2013 an der Mosel.

MM: Eigentlich möchte ich keine Prognose über den Jahrgang 2013 abgeben, solange er nicht im Keller liegt, denn bis zur Ernte sind es noch ein paar Wochen, es kann also noch viel passieren! Allerdings sieht alles bis jetzt sehr vielversprechend aus – wir dürfen also gespannt sein und auf einen
weiteren, sehr guten Jahrgang hoffen.

Vielen Dank für Ihre Zeit und für Ihre Weine.



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